
Damit sie schön knackig bleiben. Aus: Hallo München, 22. Februar 2012

Die Redaktion von muenchen.de hat es nicht leicht. In kürzester Zeit musste der neue Webauftritt gestemmt werden. Da kann schon mal was schiefgehen. Blöd, wenn sich dabei herausstellt, dass die Redaktion nicht dialektsicher ist. Im abgebildeten Teaser ist vom passenden Wiesn-Outfit (allein schon ein wunderbarer Deutsch-Anglizismus - Watermann hätte "Gwand" dazu gesagt) die Rede. Was der Trachtler an den Füßen trägt, sind jedoch mitnichten "Haferschua". Die Fußbekleidung heißt "Haferlschuh", was sogar Wikipedia richtig weiß. Die Mittelbayerische Zeitung hat die Haferlschuhe richtig bei den Volksetymologien eingeordnet.
Spielfilmtipps zu Mariä Himmelfahrt gibt die Süddeutsche Zeitung in ihrer Feiertagsausgabe vom 1./2. Juni 2011. Was stimmt hier nicht? Der Genitiv "Mariae" ist völlig korrekt. Nur dass der 2. Juni nicht der Himmelfahrt von Christi Mutter Maria gedenkt, sondern ihres Sohnes. Der als Vatertag bekannte Feiertag heißt daher Christi Himmelfahrt. Mariä Himmelfahrt wird am 15. August gefeiert, hat mit dem Muttertag nichts zu tun und ist in katholischen Ländern wie in Italien ("Ferragosto") ein hoher Feiertag - weit weg vom Münchner Osten, wo die Süddeutsche residiert.
Auf die leicht veränderte Startseite von www.tagessschau.de machte Stefan Niggemeier am Vormittag des 27. Dezembers 2010 aufmerksam. Dahinter steckte der 27. Chaos Computer Congress, wie die taz meldete. Auf die Nachfrage bei der ARD, ob man sich vorstellen könne, dass der Hack etwas mit dem Hacker-Kongress in Berlin zu tun haben könnte, lautete die Gegenfrage: "Welcher Hacker-Kongress?"


"Porsche-Chef geht nach Spiegel Informationen" ist gleich in mehrerer Hinsicht ein hübsches Beispiel für die Journalist-Academy. Vom Deppen-Leerzeichen zwischen Spiegel und Informationen einmal abgesehen: Hat der Spiegel jetzt besondere Informationen - oder richtet sich Wendelin Wiedeking nach dem Spiegel, ganz gleich, wie gut oder schlecht dessen Informationen sind?
Die Union hat sich vorgenommen, die Öffentlichkeitsarbeit für die „Bad Bank“ zu verbessern, und ist auf die „Beiboot-Lösung“ verfallen. Das meldete die „Süddeutsche“ Ende Mai. Hoppla: Beiboote sind dazu da, auf ihnen Risikoballast aussetzen, um das Mutterschiff zu retten?? Watermann, der trotz seines Namens kein Seebär ist, musste nachschlagen. Laut Wikipedia ist ein Beiboot „ein Boot, das von einem größeren Wasserfahrzeug mitgeführt wird“. Es dient, so Wikipedia, „in erster Linie dem Übersetzen der Schiffsbesatzung“. Das leuchtet Watermann auf Anhieb ein: Die Bad Bank soll die Banker aufs sichere Mutterschiff retten. Des weiteren hat Wikipedia noch zu bieten: „Transport von Gütern“ (aber welchen?), „Aufholen des Ankers“ (Leinen los? Das beunruhigt Watermann ein wenig) und „Rettung aus Seenot“ (klar: wiederum die Banker). Was immer sich die Union dabei gedacht hat, hier geht es jedenfalls nicht zu wie in der christlichen Seefahrt, nämlich: alle Mann von Bord, Frauen und Kinder zuerst.




Die Süddeutsche Zeitung bringt auf ihrer Titelseite meistens zwei Aufmacher: einen mit Bild und einen mit Text. In der Regel handelt es sich um zwei unterschiedliche Themen. Das kann, wie in diesem Fall, putzige Konnotationen erzeugen. Was wollte uns die Süddeutsche damit sagen? Dass dem forschen SPD-Duo das Wasser bis zum Hals steht?


Der Münchner Tierpark Hellabrunn wirbt mit diesem Plakat für seine Vogelschau. Was ihm dabei passiert ist, hat Wolf Schneider in "Deutsch für Profis" ein für allemal festgehalten: Es gibt keine "atlantischen Tiefausläufer", sondern Ausläufer eines atlantischen Tiefs. Und so ist natürlich auch nicht die Luftakrobatik gefiedert, sondern die Akrobaten sind es, um die es hier geht. Watermann grübelt, warum die Schau nicht einfach "Gefiederte Luftakrobaten" heißt? Vielleicht, weil das dann keine genderneutrale Sprache mehr ist - ? Dabei ist das Video recht hübsch.
Die Redewendung "einen guten Draht zueinander haben" soll ausdrücken, dass Freundschaft besteht, in diesem Fall mit der Stadt in der Ukraine. Wenn ein Draht glüht, kann man damit allerhand anstellen, und wenn man's übertreibt, bricht der Draht. Was wollen uns die Nürnberger Nachrichten sagen? Dass die Drähte, die Nürnberg mit Charkiw verbinden, stärker glühen müssen, damit sie den galoppierenden Mieten und den kletternden Preisen hinterher kommen? Vorsicht: Sie brennen irgendwann durch.

Sex sells. Das weiß auch die Süddeutsche Zeitung. Also brachte die gestrige Ausgabe ein Interview mit dem Veranstalter einer Sexmesse in Barcelona, der gerne Pornofilme mit finanzieller Unterstützung des spanischen Staats ins Katalanische übersetzen würde.
Die Bebilderung? Kein Problem. Eine blonde vollbusige Italienerin, der Redaktion der Süddeutschen Zeitung als Polit-Porno-Star bekannt, war auf der Messe. Die Bildunterschrift: „Diskutiert gerne auch über katalanische Kultur: Gaststar Cicciolina.“ Klingt interessant.
Was sagt der Interviewte dazu? „Unser Stargast an diesem Wochenende war zum Beispiel Cicciolina. Die hat mit der katalanischen Kultur nicht so viel zu tun.“ Aber sie verkauft sich gut. Auch in einer Qualitätszeitung. Kultur hin oder her.





Auf der Seite "Beruf und Bildung", die in der Regel von Menschen gelesen wird, die zur Zeit keine Arbeit haben, fand die "Süddeutsche Zeitung" es am 14. Januar originell, diese Grafik abzudrucken. Sie erinnerte Guido Watermann, der aus einer Lehrersfamilie stammt, an einen alten Witz aus dem Witzbüchlein seines Großvaters.