7.8.08

Gefiedert und geteert

Der Münchner Tierpark Hellabrunn wirbt mit diesem Plakat für seine Vogelschau. Was ihm dabei passiert ist, hat Wolf Schneider in "Deutsch für Profis" ein für allemal festgehalten: Es gibt keine "atlantischen Tiefausläufer", sondern Ausläufer eines atlantischen Tiefs. Und so ist natürlich auch nicht die Luftakrobatik gefiedert, sondern die Akrobaten sind es, um die es hier geht. Watermann grübelt, warum die Schau nicht einfach "Gefiederte Luftakrobaten" heißt? Vielleicht, weil das dann keine genderneutrale Sprache mehr ist - ? Dabei ist das Video recht hübsch.

7.7.08

Flossen für Betancourt


Flossen sind Ingrid Betancourt auch im feuchten Dschungelklima nicht gewachsen. Und dass Web.de über die Kosten für die Flossen spekuliert, hat sie auch nicht verdient.

16.3.08

Nach Charkiw durchbrennen

Die Redewendung "einen guten Draht zueinander haben" soll ausdrücken, dass Freundschaft besteht, in diesem Fall mit der Stadt in der Ukraine. Wenn ein Draht glüht, kann man damit allerhand anstellen, und wenn man's übertreibt, bricht der Draht. Was wollen uns die Nürnberger Nachrichten sagen? Dass die Drähte, die Nürnberg mit Charkiw verbinden, stärker glühen müssen, damit sie den galoppierenden Mieten und den kletternden Preisen hinterher kommen? Vorsicht: Sie brennen irgendwann durch.

Wandernde Tomaten


Es steht in guten Journalismus-Lehrbüchern: In die Überschrift sollte ein Verb. Aktiv formulieren. Die Frage 'Wer tut was?' beantworten. Die Nürnberger Nachrichten haben also alles richtig gemacht, passend zum Frühling: Das Wandern ist der Tomaten Lust. Und sie werfen dabei nicht mit Steinen, obwohl sie gerade aus dem Glashaus kommen.

23.2.08

Sozimist



Liebe Wikipedia, da hast du aber eine Zeitlang gebraucht, um das zu merken...

12.1.08

Subtiles Marketing

Web 2.0 ist eine feine Sache. Nur mit dem Geld verdienen, das haut noch nicht überall so richtig hin. Da gibt es ein Portal, mit dem man angeblich alte Klassenkameraden wieder finden kann. Watermann meldete sich brav an, sandte über das Portal eine Nachricht an einen alten Kumpel, ohne dass das Portal irgendwie gemeckert hätte. Und schon zwei Stunden später (der Bot arbeitet ein bisschen langsam) fand er folgende Mail in seinem Postfach:

--
Hallo Guido,

soeben hat XYZ versucht, die von Ihnen am zzzzzz
um zzzzz Uhr geschickte Nachricht zu öffnen.

Betreff: "Schön dich hier wieder zu finden!"

Da Sie aber beide kein Goldmitglied sind, konnte XYZ die Nachricht
leider nicht lesen.

Wenn Sie jetzt die Goldmitgliedschaft erwerben, so benachrichtigen wir
XYZ, dass die Nachricht nun gelesen werden kann:
http://go.stayfriends.de/zzzzzzzzzzzzzzzzzz

Profitieren Sie mit der Goldmitgliedschaft von folgenden Vorteilen
- Über alle Neuzugänge bei StayFriends stets informiert sein
- Für alle StayFriends-Mitglieder sofort erreichbar sein
- Neuerungen von StayFriends sofort uneingeschränkt nutzen können
- Kontakte zu alten Freunden dauerhaft aufrechterhalten
- Kein Klassentreffen mehr verpassen

Profil von XYZ anschauen:
http://go.stayfriends.de/zzzzzzzzzzzzzzzzzzzz

Direkt zu meinem Postfach:
http://go.stayfriends.de/zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz

Viele Grüße
Oliver Thiel
StayFriends Mitgliederbetreuung
--

Watermann hat die Mail weitgehend anonymisiert. Wenn er sich's aber recht überlegt, sieht das nicht gut aus fürs Web 2.0. Bei einem derart subtilen Marketing...

18.7.07

Rückt näher


Hier ist es eine Startbahn, die näher rückt. Auf einer Seite weiter hinten in derselben Ausgabe der Süddeutschen Zeitung rückt auch noch ein Fahrradweg näher. Watermann fühlt sich umzingelt.

19.6.07

Einkommensschere im Kopf

Eine rätselhafte Meldung des Bayerischen Rundfunks brachte Guido Watermann heute ins Grübeln:

13:00 Uhr: Einkommensschere in Deutschland geht weiter auseinander
Berlin: Die Schere zwischen Spitzen- und Geringverdienern in Deutschland ist in den vergangenen Jahren weiter auseinander gegangen. Das geht aus einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, hervor. Demnach verdienten Spitzenkräfte im Jahr 2005 mehr als 3-mal so viel wie die Beschäftigten mit den niedrigsten Löhnen. In Frankreich, Japan, Schweden und den Niederlanden hat sich die Lohnschere dagegen kaum geöffnet (...) (Quelle: www.br-online.de)

Herr Ackermann verdient also mehr als dreimal so viel wie Guido Watermann? Das will dieser gerne glauben. Aber das kann, dachte sich Watermann, nicht der Kern der Nachricht sein. Etwas Recherche förderte eine andere Meldung zutage, die auf derselben AP-Meldung basiert:

Danach verdienten Spitzenkräfte im Jahr 2005 im Schnitt 3,1 mal so viel wie die 10% mit den niedrigsten Löhnen. (Quelle: www.finanznachrichten.de)

Ein Ackermann auf zehn Watermänner? Oder umgekehrt? Erst ein Blick auf die Original-Pressemitteilung nennt die Bezugsgröße:

Trotz dieses allgemeinen Trends sind die Unterschiede zwischen den OECD-Ländern und selbst zwischen den EU-Ländern beachtlich. So hat sich zwischen 1995 und 2005 in Frankreich, Finnland, Japan, Schweden, und den Niederlanden die Lohnschere kaum geöffnet. In Spanien und Irland sind im gleichen Zeitraum die Löhne für Geringverdiener sogar schneller gewachsen als für Spitzenkräfte. In Deutschland hingegen ist das Einkommensgefälle deutlich stärker als in der Mehrheit der OECD-Länder gestiegen. So verdienten die höchstbezahlten zehn Prozent der Arbeitnehmer im Jahr 2005 im Schnitt 3,1 mal so viel wie die zehn Prozent mit den niedrigsten Löhnen. Im Jahr 1995 war es nur 2,8 mal so viel. (Quelle: www.oecd.org)

So ist das mit dem Redigieren.

4.4.07

Kultur hin oder her

Sex sells. Das weiß auch die Süddeutsche Zeitung. Also brachte die gestrige Ausgabe ein Interview mit dem Veranstalter einer Sexmesse in Barcelona, der gerne Pornofilme mit finanzieller Unterstützung des spanischen Staats ins Katalanische übersetzen würde.

Die Bebilderung? Kein Problem. Eine blonde vollbusige Italienerin, der Redaktion der Süddeutschen Zeitung als Polit-Porno-Star bekannt, war auf der Messe. Die Bildunterschrift: „Diskutiert gerne auch über katalanische Kultur: Gaststar Cicciolina.“ Klingt interessant.

Was sagt der Interviewte dazu? „Unser Stargast an diesem Wochenende war zum Beispiel Cicciolina. Die hat mit der katalanischen Kultur nicht so viel zu tun.“ Aber sie verkauft sich gut. Auch in einer Qualitätszeitung. Kultur hin oder her.

26.3.07

Geis auf der Waide



Wiewohl Wilderer zu Watermanns Lieblingsfiguren zählen, verdient dieser hier ebenso wenig Lob wie sein Autor. Der Wilderer hat sich dabei "weidgerechter" verhalten, schließlich hat er sein Opfer auf der Weide erschossen, während sich der Journalist die Finger waidwund geschrieben hat. Das arme Tier kann nichts dafür, dass es zu einer "Rehgeis" wurde. Eine Geiß kann es nicht sein, die schreibt sich anders, und zum Wort "Ricke" hat es beim Journalisten nicht gereicht. Vielleicht, weil bei den Nürnberger Nachrichten (Ausgabe 24./25.3.2007) doch eher weniger Jäger zu finden sind?

25.2.07

24.2.07

Dürfen Journalisten Dienstleister sein?


Besteht nicht die Gefahr, dass Journalisten am Ende Dienstleister ihrer Leser seien? Das war die Frage, die ganz zum Schluss an die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zu "Journalismus online" am 23.2.2007 in München gestellt wurde - ausgerechnet von einem Vertreter der Journalistenausbildung. Hans Helmreich vom Bayerischen Rundfunk rettete zum Glück die Ehre der Journalistenzunft. Mit seinem Statement zu BR-online.de beginnt auch dieses Video.

15.2.07

Alkoholverbot für Bafög-Empfänger



Guido Watermann ist sich nicht sicher, wie der Bayerische Rundfunk das gemeint hat: Alkoholverbot für Bafög-Empfänger? Oder doch eher für Journalisten?

6.12.06

Starker Tobak

Nicht immer nur Mainstream lesen. Also liegt diese Woche die Jungle World auf dem Lesetisch. Was schreibt Andreas Hartmann in einer Filmkritik über Leonardo DiCaprio?

"Er ackert, schwitzt und zeigt seine Muskeln, nicht mehr wie ein blasses Jüngelchen wirkt er, sondern wie ein ganzer Kerl."


Genau das wollten wir immer schon haben. Auf die Bäume ihr Affen!

3.11.06

Arbeitslosenquote, sehr schön

Frank-J. Weise, der Chef der Bundesagentur für Arbeit, freut sich über die schönen Arbeitslosenzahlen im Oktober: ein Minus von 153.000 drückt die Zahl auf 4.085.000, und damit unter die magische Quote von zehn Prozent. Wie kommt es dazu? Die Pressemitteilung weiß die Antwort: "Neben dem positiven konjunkturellen Umfeld dürfte ein Teil der Abnahme auf der intensiveren Betreuung von Arbeitslosen und der systematischen Aktualisierung von Bewerberangeboten beruhen. Auch der entlastende Einsatz von Arbeitsmarktpolitik hat etwas zugenommen."

Was nicht so deutlich in der Pressemitteilung steht: Den Oktober verbrachten 132.601 Personen in einer Weiterbildungsmaßnahme.





Allein im Sepember waren knapp 40.000 Menschen in eine solche Weiterbildungsmaßnahme eingetreten. Im Oktober waren es dann nochmal knapp 35.000 Personen.





Sind die Zahlen also nicht wirklich schön? Die schwarz-rote Bundesregierung hat lediglich zu einer Schönfärbungsmethode der Arbeitslosenzahlen gegriffen, die die Regierung Kohl seit den 80-er Jahren systematisch betreibt. Es gab nur eine Regierung der letzten Jahre, die das Gegenteil des Schönfärbens der Arbeitslosenzahlen betrieben hat: die rot-grüne. Stattdessen hat sie nachgezählt und mithilfe der Hartz-Reformen präzise Zahlen auf den Tisch gelegt.

Dafür wurde sie dann auch nicht wiedergewählt.

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Quelle für die Zahlenangaben: Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit vom 2. November 2006; Bundesverband Berufliche Bildung.

18.10.06

Stoiber auf den Medientagen München: Das ganz normale Leben

Bei der Eröffnung der Medientage München hielt der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber eine Rede. Das Publikum, lauter Leute aus der Medienbranche, wartete gespannt auf die berühmten Ähs und Ähems. Nichts. Edmund Stoiber hatte geübt und sprach so schnell, dass er teilweise ganze Wörter verschluckte oder zumindest sehr nuschelte. Das klang dann so: Wenn sich die Medienleute in München versammeln, sei das für die Medientage "ein unglückliches Zeichen..." (Publikum erstarrt) - erst aus dem Kontext wird klar, gemeint war: ein untrügliches Zeichen.

Da die Rede im Wesentlichen von einem kundigen Mitarbeiter der Staatskanzlei geschrieben war, ging auch beim Vorlesen weiter nichts schief. Der Satz "Das ganz normale Leben darf im Fernsehen nicht die Ausnahme sein" stand wohl wirklich so im Manuskript.

Aber was muss der Redenschreiber gezittert haben, als Stoiber zu einem frei gesprochenen Einschub anhub, um die Globalisierung der Medien "an einem ganz praktischen Beispiel" zu beschreiben: "Das größte Ereignis der letzten Jahre war vor wenigen Wochen... (Stoiber macht eine Pause) ... der Besuch des ... des bayerischen Papstes ... aus Deutschland ... in Bayern." Heiterkeit im Publikum. Stoiber, nach einem vergeblichen Versuch, weiter zu machen (er wollte eigentlich den Bayerischen Rundfunk loben): "I woaß gar net, was es da zu lachen gibt?"