6.12.08

Ja, ist denn heut schon Buchmesse?



Da muss der Bayerische Rundfunk irgend etwas verwechselt haben. Laut der oben stehenden Meldung wird heute der Preis der Leipziger Buchmesse verliehen. Die findet ja bekanntlich jedes Jahr im Frühjahr statt. Ob der BR vielleicht den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis gemeint hat? Der wird nämlich heute abend in Nürnberg verliehen...

3.12.08

Einschuss? Ausschuss?


Der Spiegel zeigte auf dem Titelbild einen Durchschuss durch eine Dollarnote. Das Projektil fliegt von hinten durch den Geldschein und tritt, rechts im Bild, nach vorn wieder aus. Blöd nur, dass es sich ganz offensichtlich um einen Einschuss handelt, wie im Bild deutlich zu erkennen. Der Ausschuss ist ein Einschuss. Und damit Ausschuss.

27.9.08

Atomlobby: Deutscher Sonderweg

Public Relations für Atomenergie, die ja richtig Kernenergie heißen soll, weil das gleich viel sauberer klingt, findet sich derzeit in großformatiger Onlinewerbung (auf das Bild klicken, dann sieht man's in voller Schönheit):




Der Deutsche Sonderweg endete bekanntlich in der Katastrophe. Deshalb kann man hier gleich mit "Richtig so!" abstimmen und dem "Austieg aus dem Atomausstieg" zustimmen:



Und das ist das Ergebnis:

18.9.08

Wasser bis zum Hals

Die Süddeutsche Zeitung bringt auf ihrer Titelseite meistens zwei Aufmacher: einen mit Bild und einen mit Text. In der Regel handelt es sich um zwei unterschiedliche Themen. Das kann, wie in diesem Fall, putzige Konnotationen erzeugen. Was wollte uns die Süddeutsche damit sagen? Dass dem forschen SPD-Duo das Wasser bis zum Hals steht?

22.8.08

Knapp daneben, und Spaß dabei



Dass Brücken in der Luft hängen, ist eine immer wieder gern zitierte Tatsache, findet Watermann. Den Überschriften dichtenden SZ-Journalisten hat das Thema, der Bildempfänger, dabei so inspiriert, dass ihm eine von der Sache her naheliegende Bildlichkeit als Bildspender eingefallen ist. Aber "knapp danehm (daneben) is aa (auch) vorbei", wie der Münchner sagt. Die "Süddeutsche" hat am 20. August aber gleich noch so eine schön-schräge Metapher gefunden, nämlich die S-Bahn, die Gas gibt. Hoffentlich hat sie wenigstens Spaß dabei.

7.8.08

Gefiedert und geteert

Der Münchner Tierpark Hellabrunn wirbt mit diesem Plakat für seine Vogelschau. Was ihm dabei passiert ist, hat Wolf Schneider in "Deutsch für Profis" ein für allemal festgehalten: Es gibt keine "atlantischen Tiefausläufer", sondern Ausläufer eines atlantischen Tiefs. Und so ist natürlich auch nicht die Luftakrobatik gefiedert, sondern die Akrobaten sind es, um die es hier geht. Watermann grübelt, warum die Schau nicht einfach "Gefiederte Luftakrobaten" heißt? Vielleicht, weil das dann keine genderneutrale Sprache mehr ist - ? Dabei ist das Video recht hübsch.

7.7.08

Flossen für Betancourt


Flossen sind Ingrid Betancourt auch im feuchten Dschungelklima nicht gewachsen. Und dass Web.de über die Kosten für die Flossen spekuliert, hat sie auch nicht verdient.

16.3.08

Nach Charkiw durchbrennen

Die Redewendung "einen guten Draht zueinander haben" soll ausdrücken, dass Freundschaft besteht, in diesem Fall mit der Stadt in der Ukraine. Wenn ein Draht glüht, kann man damit allerhand anstellen, und wenn man's übertreibt, bricht der Draht. Was wollen uns die Nürnberger Nachrichten sagen? Dass die Drähte, die Nürnberg mit Charkiw verbinden, stärker glühen müssen, damit sie den galoppierenden Mieten und den kletternden Preisen hinterher kommen? Vorsicht: Sie brennen irgendwann durch.

Wandernde Tomaten


Es steht in guten Journalismus-Lehrbüchern: In die Überschrift sollte ein Verb. Aktiv formulieren. Die Frage 'Wer tut was?' beantworten. Die Nürnberger Nachrichten haben also alles richtig gemacht, passend zum Frühling: Das Wandern ist der Tomaten Lust. Und sie werfen dabei nicht mit Steinen, obwohl sie gerade aus dem Glashaus kommen.

23.2.08

Sozimist



Liebe Wikipedia, da hast du aber eine Zeitlang gebraucht, um das zu merken...

12.1.08

Subtiles Marketing

Web 2.0 ist eine feine Sache. Nur mit dem Geld verdienen, das haut noch nicht überall so richtig hin. Da gibt es ein Portal, mit dem man angeblich alte Klassenkameraden wieder finden kann. Watermann meldete sich brav an, sandte über das Portal eine Nachricht an einen alten Kumpel, ohne dass das Portal irgendwie gemeckert hätte. Und schon zwei Stunden später (der Bot arbeitet ein bisschen langsam) fand er folgende Mail in seinem Postfach:

--
Hallo Guido,

soeben hat XYZ versucht, die von Ihnen am zzzzzz
um zzzzz Uhr geschickte Nachricht zu öffnen.

Betreff: "Schön dich hier wieder zu finden!"

Da Sie aber beide kein Goldmitglied sind, konnte XYZ die Nachricht
leider nicht lesen.

Wenn Sie jetzt die Goldmitgliedschaft erwerben, so benachrichtigen wir
XYZ, dass die Nachricht nun gelesen werden kann:
http://go.stayfriends.de/zzzzzzzzzzzzzzzzzz

Profitieren Sie mit der Goldmitgliedschaft von folgenden Vorteilen
- Über alle Neuzugänge bei StayFriends stets informiert sein
- Für alle StayFriends-Mitglieder sofort erreichbar sein
- Neuerungen von StayFriends sofort uneingeschränkt nutzen können
- Kontakte zu alten Freunden dauerhaft aufrechterhalten
- Kein Klassentreffen mehr verpassen

Profil von XYZ anschauen:
http://go.stayfriends.de/zzzzzzzzzzzzzzzzzzzz

Direkt zu meinem Postfach:
http://go.stayfriends.de/zzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzzz

Viele Grüße
Oliver Thiel
StayFriends Mitgliederbetreuung
--

Watermann hat die Mail weitgehend anonymisiert. Wenn er sich's aber recht überlegt, sieht das nicht gut aus fürs Web 2.0. Bei einem derart subtilen Marketing...

18.7.07

Rückt näher


Hier ist es eine Startbahn, die näher rückt. Auf einer Seite weiter hinten in derselben Ausgabe der Süddeutschen Zeitung rückt auch noch ein Fahrradweg näher. Watermann fühlt sich umzingelt.

19.6.07

Einkommensschere im Kopf

Eine rätselhafte Meldung des Bayerischen Rundfunks brachte Guido Watermann heute ins Grübeln:

13:00 Uhr: Einkommensschere in Deutschland geht weiter auseinander
Berlin: Die Schere zwischen Spitzen- und Geringverdienern in Deutschland ist in den vergangenen Jahren weiter auseinander gegangen. Das geht aus einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, OECD, hervor. Demnach verdienten Spitzenkräfte im Jahr 2005 mehr als 3-mal so viel wie die Beschäftigten mit den niedrigsten Löhnen. In Frankreich, Japan, Schweden und den Niederlanden hat sich die Lohnschere dagegen kaum geöffnet (...) (Quelle: www.br-online.de)

Herr Ackermann verdient also mehr als dreimal so viel wie Guido Watermann? Das will dieser gerne glauben. Aber das kann, dachte sich Watermann, nicht der Kern der Nachricht sein. Etwas Recherche förderte eine andere Meldung zutage, die auf derselben AP-Meldung basiert:

Danach verdienten Spitzenkräfte im Jahr 2005 im Schnitt 3,1 mal so viel wie die 10% mit den niedrigsten Löhnen. (Quelle: www.finanznachrichten.de)

Ein Ackermann auf zehn Watermänner? Oder umgekehrt? Erst ein Blick auf die Original-Pressemitteilung nennt die Bezugsgröße:

Trotz dieses allgemeinen Trends sind die Unterschiede zwischen den OECD-Ländern und selbst zwischen den EU-Ländern beachtlich. So hat sich zwischen 1995 und 2005 in Frankreich, Finnland, Japan, Schweden, und den Niederlanden die Lohnschere kaum geöffnet. In Spanien und Irland sind im gleichen Zeitraum die Löhne für Geringverdiener sogar schneller gewachsen als für Spitzenkräfte. In Deutschland hingegen ist das Einkommensgefälle deutlich stärker als in der Mehrheit der OECD-Länder gestiegen. So verdienten die höchstbezahlten zehn Prozent der Arbeitnehmer im Jahr 2005 im Schnitt 3,1 mal so viel wie die zehn Prozent mit den niedrigsten Löhnen. Im Jahr 1995 war es nur 2,8 mal so viel. (Quelle: www.oecd.org)

So ist das mit dem Redigieren.

4.4.07

Kultur hin oder her

Sex sells. Das weiß auch die Süddeutsche Zeitung. Also brachte die gestrige Ausgabe ein Interview mit dem Veranstalter einer Sexmesse in Barcelona, der gerne Pornofilme mit finanzieller Unterstützung des spanischen Staats ins Katalanische übersetzen würde.

Die Bebilderung? Kein Problem. Eine blonde vollbusige Italienerin, der Redaktion der Süddeutschen Zeitung als Polit-Porno-Star bekannt, war auf der Messe. Die Bildunterschrift: „Diskutiert gerne auch über katalanische Kultur: Gaststar Cicciolina.“ Klingt interessant.

Was sagt der Interviewte dazu? „Unser Stargast an diesem Wochenende war zum Beispiel Cicciolina. Die hat mit der katalanischen Kultur nicht so viel zu tun.“ Aber sie verkauft sich gut. Auch in einer Qualitätszeitung. Kultur hin oder her.

26.3.07

Geis auf der Waide



Wiewohl Wilderer zu Watermanns Lieblingsfiguren zählen, verdient dieser hier ebenso wenig Lob wie sein Autor. Der Wilderer hat sich dabei "weidgerechter" verhalten, schließlich hat er sein Opfer auf der Weide erschossen, während sich der Journalist die Finger waidwund geschrieben hat. Das arme Tier kann nichts dafür, dass es zu einer "Rehgeis" wurde. Eine Geiß kann es nicht sein, die schreibt sich anders, und zum Wort "Ricke" hat es beim Journalisten nicht gereicht. Vielleicht, weil bei den Nürnberger Nachrichten (Ausgabe 24./25.3.2007) doch eher weniger Jäger zu finden sind?

25.2.07

24.2.07

Dürfen Journalisten Dienstleister sein?


Besteht nicht die Gefahr, dass Journalisten am Ende Dienstleister ihrer Leser seien? Das war die Frage, die ganz zum Schluss an die Teilnehmer der Podiumsdiskussion zu "Journalismus online" am 23.2.2007 in München gestellt wurde - ausgerechnet von einem Vertreter der Journalistenausbildung. Hans Helmreich vom Bayerischen Rundfunk rettete zum Glück die Ehre der Journalistenzunft. Mit seinem Statement zu BR-online.de beginnt auch dieses Video.